Ein Van als Salon
In Zürich ist seit wenigen Wochen ein mobiler Hundesalon unterwegs, der Hunde und Katzen direkt vor der Haustür der Besitzerinnen und Besitzer pflegt. Das Konzept: ein zum vollausgestatteten Salon umgebauter Mercedes Sprinter, sechs Meter lang, mit allem, was für professionelle und schonende Fellpflege nötig ist. Gegründet wurde Bark & Bath von zwei Partnern, die den Bedarf klar erkannt hatten: Im Kanton Zürich sind rund 70.100 Hunde registriert, aber die Zahl der stationären Hundesalons hält mit dieser Zahl nicht annähernd Schritt.
Der Vorteil für die Kundschaft liegt auf der Hand: kein Transport des Tieres notwendig, kein Warten in einem Salon mit anderen Hunden, weniger Stress für das Tier, während die Besitzerin oder der Besitzer zuhause bleiben kann. Das primäre Einsatzgebiet umfasst die Stadt Zürich und angrenzende Gemeinden sowie das rechte Zürichseeufer; außerhalb davon wird eine Kilometerpauschale berechnet.
Was der Fall über den Markt aussagt
Das eigentlich Interessante an diesem Beispiel ist weniger der Van selbst als die Begründung dahinter: ein spürbarer Mangel an stationären Hundesalons im Verhältnis zur Hundedichte in einer wohlhabenden, dicht besiedelten Region. Das ist ein Muster, das sich in vielen Schweizer und deutschen Städten wiederholen dürfte, in denen die Zahl der Hundehaushalte schneller wächst als die Zahl verfügbarer Fachkräfte und Ladenflächen für Fellpflege.
Für bestehende, stationäre Salons in solchen Regionen ist das ein zweischneidiges Signal. Einerseits zeigt es, dass ungedeckte Nachfrage vorhanden ist, sonst würde ein mobiles Konzept nicht funktionieren. Andererseits zeigt es auch, dass diese Nachfrage nicht zwangsläufig beim stationären Salon landet, wenn Terminverfügbarkeit oder Anfahrtsweg zum Hindernis werden.
Handlungsoptionen für stationäre Salons
Terminverfügbarkeit ehrlich prüfen. Wenn die eigene Warteliste seit Monaten voll ist, ist das mobile Angebot kein Konkurrent, der Kunden abwirbt, sondern ein Ventil für Nachfrage, die der stationäre Salon ohnehin nicht bedienen könnte. In diesem Fall lohnt sich eher die Frage, ob ein zweiter Standort oder zusätzliches Personal sinnvoll wäre.
Die eigene Nische gegenüber mobilen Anbietern schärfen. Ein Van mit begrenztem Platz kann selten das leisten, was ein voll ausgestatteter Salon kann, etwa aufwändige Schnitttechniken, längere Trocknungszeiten bei starkem Unterfell oder die Betreuung mehrerer Tiere gleichzeitig aus einem Haushalt. Diese Stärken aktiv zu kommunizieren, statt sie als selbstverständlich vorauszusetzen, hilft gegenüber der wachsenden mobilen Konkurrenz.
Ein eigenes mobiles Zusatzangebot erwägen. Für Salons mit Kapazität, aber begrenztem Einzugsgebiet, kann ein kleiner mobiler Zusatzservice, etwa für Stammkunden mit eingeschränkter Mobilität oder mehreren Hunden, eine Möglichkeit sein, bestehende Kundenbindung zu vertiefen, ohne gleich in einen vollständigen Van zu investieren.
Was sich daraus für die eigene Region ableiten lässt
Bevor ein Salon auf das Zürcher Beispiel reagiert, lohnt sich ein nüchterner Blick auf die eigene Region: Wie viele Hunde sind im eigenen Einzugsgebiet gemeldet, und wie viele professionelle Anbieter, stationär wie mobil, teilen sich diese Nachfrage tatsächlich? Diese Zahl ist über Gemeinde- oder Kantonsstatistiken meist öffentlich zugänglich und liefert eine deutlich verlässlichere Grundlage für Investitionsentscheidungen als der allgemeine Eindruck, der Markt sei bereits gesättigt.
Wichtig ist auch die Unterscheidung zwischen echter Unterversorgung und bloß ungleicher Verteilung. Ein Kanton kann insgesamt genügend Salons haben, während einzelne Gemeinden praktisch keinen eigenen Anbieter besitzen und Kundschaft weite Anfahrtswege in Kauf nimmt. Genau solche Lücken sind es, die mobile Konzepte wie Bark & Bath gezielt ausnutzen, und die auch für stationäre Salons mit Expansionsplänen der eigentlich interessante Ansatzpunkt sind.
Der größere Zusammenhang
Der Erfolg von Bark & Bath in Zürich ist letztlich ein Beleg dafür, dass in vielen Regionen die Fellpflege-Infrastruktur mit der Zahl der Hunde nicht mithält. Ob ein Salon diese Lücke als Bedrohung oder als Beleg für ungenutztes Marktpotenzial in der eigenen Region liest, entscheidet wesentlich darüber, wie er in den kommenden Jahren darauf reagiert.