Ein Meilenstein für die Professionalisierung der Hundepflege
Die Hundepflege in Deutschland galt bislang als klassischer Quereinstiegsberuf: Es gibt keine staatlich anerkannte Ausbildung zum Hundefriseur oder zur Hundefriseurin, Qualifikationen wurden meist über private Kurse, Wochenendseminare oder autodidaktisches Lernen erworben. Das ändert sich nun schrittweise. Die Industrie- und Handelskammer (IHK) Potsdam hat gemeinsam mit dem Zentralverband Zoologischer Fachbetriebe (ZZF) einen neuen Zertifikatslehrgang ins Leben gerufen: „Hundepflege und Dienstleistung IHK“. Der erste Durchgang ist am 6. Oktober 2025 gestartet, die Ausbildung läuft über ein Jahr und umfasst 180 Unterrichtseinheiten.
Für Hundesalons in Deutschland, Österreich und der Schweiz ist das eine bemerkenswerte Entwicklung – auch wenn der Lehrgang zunächst nur in Deutschland angeboten wird, dürfte er branchenweit Signalwirkung entfalten.
Was der Lehrgang konkret vermittelt
Nach den verfügbaren Informationen deckt der Zertifikatslehrgang ein breites Themenspektrum ab: von veterinärmedizinischen Grundlagen über rechtliche und betriebswirtschaftliche Aspekte bis hin zu praktischen Pflegetechniken, effizienten Arbeitsabläufen im Salon und professioneller Kundenkommunikation. Das Ziel ist ausdrücklich, sowohl den fachlichen Anforderungen des Marktes als auch dem Tierschutz gerecht zu werden – Fachwissen und Tierwohl sollen also gleichermaßen im Mittelpunkt stehen.
Das ist ein deutlicher Unterschied zu vielen bisherigen Angeboten, die sich häufig auf reine Schnitttechnik konzentrieren, betriebswirtschaftliche und rechtliche Grundlagen aber außen vor lassen. Wer einen Salon führt oder führen möchte, braucht jedoch beides: handwerkliches Können und unternehmerisches Wissen.
Warum das für Salonbetreiberinnen und -betreiber wichtig ist
Fachkräftemangel begegnen. Viele Hundesalons berichten seit Jahren von Schwierigkeiten, qualifiziertes Personal zu finden. Ein anerkannter Zertifikatslehrgang kann helfen, den Beruf attraktiver und sichtbarer zu machen – gerade für Quereinsteigerinnen und Quereinsteiger, die eine strukturierte Qualifizierung suchen, statt sich das Handwerk mühsam selbst beizubringen.
Vertrauen bei der Kundschaft aufbauen. Tierhalterinnen und Tierhalter werden zunehmend sensibler, wem sie ihr Tier anvertrauen. Ein zertifiziertes Team kann aktiv im Marketing genutzt werden: auf der Website, in Social-Media-Postings oder direkt im Salon. Qualifikationsnachweise schaffen Vertrauen und können ein Unterscheidungsmerkmal gegenüber Wettbewerbern sein, die ausschließlich auf informelle Erfahrung setzen.
Tierwohl als Qualitätsmerkmal etablieren. Da der Lehrgang explizit Tierschutzaspekte integriert, passt er zu einem generellen Trend: Kundinnen und Kunden fragen zunehmend nach, wie mit ihrem Tier umgegangen wird, ob stressfreie Methoden verwendet werden und wie das Personal mit Notfällen oder gesundheitlichen Auffälligkeiten umgeht. Salons, die hier nachweislich geschultes Personal beschäftigen, sind im Vorteil.
Selbstständigkeit besser vorbereiten. Wer plant, einen eigenen Salon zu eröffnen, profitiert von den betriebswirtschaftlichen und rechtlichen Lehrgangsinhalten. Themen wie Preiskalkulation, Kundenmanagement oder rechtliche Rahmenbedingungen werden häufig unterschätzt, sind für den langfristigen Erfolg eines Salons aber mindestens genauso wichtig wie die reine Schnitttechnik.
Relevanz auch für Österreich und die Schweiz
Auch wenn der Lehrgang von einer deutschen IHK und dem ZZF getragen wird, lohnt sich die Beobachtung dieser Entwicklung auch für Salons in Österreich und der Schweiz. Professionalisierung und Qualitätsstandards machen an Landesgrenzen nicht halt: Kundinnen und Kunden, die grenzüberschreitend Informationen und Bewertungen vergleichen, werden auch dort zunehmend nach nachweisbaren Qualifikationen fragen. Salonbetreiberinnen und -betreiber in Österreich und der Schweiz sollten daher überlegen, ob vergleichbare Fortbildungsangebote – etwa von nationalen Branchenverbänden – sinnvoll in die eigene Personalentwicklung integriert werden können.
Praktische Schritte für den eigenen Salon
Wer als Salonbetreiberin oder -betreiber von dieser Entwicklung profitieren möchte, kann schon jetzt aktiv werden:
- Mitarbeitende über neue Zertifizierungsmöglichkeiten informieren und Weiterbildung aktiv fördern, etwa durch Übernahme von Kurskosten oder flexible Arbeitszeiten während der Fortbildung.
- Bestehende Qualifikationen im Team sichtbar machen – auf der Website, in der Terminbestätigung oder im Salon selbst.
- Neueinstellungen künftig stärker nach Bereitschaft zur Weiterbildung auswählen, nicht nur nach bereits vorhandener Erfahrung.
- Die eigene Preisstruktur überprüfen: Qualifiziertes, zertifiziertes Personal rechtfertigt in der Regel auch höhere Preise, sofern dies gegenüber der Kundschaft transparent kommuniziert wird.
Fazit
Der neue IHK-Zertifikatslehrgang ist mehr als eine einzelne Bildungsmaßnahme – er ist ein Signal, dass sich die Hundepflegebranche in Richtung eines anerkannten, professionellen Berufsfelds entwickelt. Salons, die frühzeitig auf Qualifikation und nachweisbare Standards setzen, positionieren sich für eine Zukunft, in der Kundinnen und Kunden immer genauer hinschauen, wem sie ihr Tier anvertrauen.